Home News Bücher ZNER Links Kontakt

Politik

Medizin

Umwelt

Neuerscheinungen

Angebote
Carnitin

VORWORT

Dieses Buch ist vorwiegend für den wissenschaftlich interessierten
Arzt bestimmt, der zum Wohle seiner Patienten tiefer in das
interessante Problem der Anwendung von L-Carnitin und seiner
Ester Acetyl-L-carnitin und Propionyl-L-carnitin auf dem Gebiet der
Herz-Kreislauf-Erkrankungen eindringen m?chte.
Die medizinische Bedeutung von L-Carnitin ist in den vergangenen
Jahrzehnten immer besser erkannt worden, was schon aus
der steigenden Zahl der Publikationen zu ersehen ist. Am Ende des
Jahres 2005 verzeichnete das INTERNET für diese einzige Verbindung
8886 medizinische Publikationen, wobei also die Publikationen zur
Chemie (Synthese und Reinigung) und zu physikalisch-chemischen
Untersuchungen nicht ber?cksichtigt wurden. Außerdem werden bekanntlich
im INTERNET die Publikationen erst ab 1963 aufgenommen,
so dass ein erheblicher Teil der gesamten Zahl nicht berücksichtigt
wird.

Von diesen 8886 Arbeiten zu medizinischen Fragestellungen befassen
sich allein 1748 Publikationen, also 20 %, mit kardiovaskul?ren
Probleme. Die Auswahl der Arbeiten für dieses Buch ist wegen der großen
Zahl der Publikationen zur Herzwirksamkeit von L-Carnitin und seinen
Estern bei weitem nicht vollständig. Es wurde deshalb versucht,
wenigstens die wichtigsten Arbeiten aufzunehmen, was aber m?glicherweise
nicht immer gelungen ist. Bei einer noch ausgedehnteren
Besprechung der publizierten Arbeiten auf dem Herz- und Kreislaufgebiet
w?re das Buch für den genannten Leserkreis zu umfangreich
geworden.

Es wäre möglich gewesen, diesem Problem aus dem Wege zu gehen,
indem man nur die neueste Literatur, also z. B. die der letzten
10 Jahre bearbeitet h?tte. Wir fanden jedoch, dass dies nicht m?glich
ist, ohne den Kollegen bitter unrecht zu tun, deren Arbeiten l?nger
zur?ckliegen und die bei der Aufkl?rung der grundlegenden metabolischen
Wirkungen von Carnitin Pionierarbeit geleistet haben. Es
ist nicht m?glich, ?ber Carnitin zu schreiben, ohne die Arbeiten der
Pioniere wie z. B. I. Bremer, PK Bhattacharyya, HR Carter, G Fraenkel,
S Friedman, IB Fritz, G und S Lindstedt und E Strack, stellvertretend
f?r andere Pioniere der fr?hen Carnitinforschung, zu nennen. Aus
diesem Grunde konnte sich der Autor nicht dazu entschlie?en, nur
die neueste Literatur zu bearbeiten.

Bei der gro?en Zahl von ausgew?hlten Publikationen bleibt es
nicht aus, dass sich Fehler und Missverst?ndnisse einschleichen, f?r
die sich der Autor schon vorher entschuldigt. Die verehrten Leser und
Kollegen werden daher gebeten, auf diese aufmerksam zu machen,
damit sie in einer folgenden Auflage korrigiert werden k?nnen.
Die Wichtigkeit einer ?bersicht ergibt sich aus dem Umstand,
dass einer gro?en Zahl von ?rzten die Wirkungen von L-Carnitin
noch weitgehend unbekannt sind, wenn auch, wie oben ausgef?hrt,
die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen eine nahezu un?berschaubare
Zahl erreicht hat. Obwohl das Carnitin vor nunmehr 100 Jahren entdeckt worden ist, geh?ren seine grundlegenden metabolischen Wirkungen erst seit kurzem zum
Ausbildungsstoff der Medizinstudenten. Dem praktizierenden Arzt ist es jedoch wegen seiner begrenzten Zeit nicht m?glich, die wissenschaftliche Literatur
umfassend zu verfolgen und zudem haben rei?erische Artikel
in der sogenannten ?Regenbogenpresse? das ihre getan, den ?Ruf?
von Carnitin zu sch?digen. Es wurden dort die Wirkungen von Carnitin
?bertrieben (?Carnitin, das Schlankmach-Wunder?) oder dem
Carnitin Wirkungen zugeschrieben, die es nicht hat (?Carnitin ? der
Fatburner?). Deshalb findet man bei einigen Kollegen die Meinung,
dass das Carnitin eine Art ?Designerdroge? sei, oder dass die Wirkungen
von Carnitin ?bertrieben worden seien, um der ?Pharmaindustrie
fette Gewinne zu bescheren?. Nicht zuletzt zur Richtigstellung
der Wirkungen von L-Carnitin und der Er?ffnung seiner
therapeutischen M?glichkeiten, die in unserem Institut seit 1935 untersucht
wurden, wurde diese vorliegende Arbeit publiziert.

Die Wirkungen von L-Carnitin auf die verschiedenen kardiovaskul?ren
Erkrankungen sind in der ?berwiegenden Zahl der
Publikationen positiv beurteilt worden, wor?ber die folgenden Kapitel
Aufschluss geben. Nat?rlich werden in der vorliegenden Arbeit
auch Publikationen behandelt, die keine oder nur eine schwache
Wirkung von L-Carnitin finden k?nnen. Die Effekte von L-Carnitin
und seinen Estern auf kardiovaskul?re Prozesse werden nicht von
allen Autoren in gleicher Weise positiv beurteilt. Nachdem lange
Zeit die kardioprotektive Wirkung von L-Carnitin klar schien, wird
von manchen Autoren dieser Effekt f?r L-Carnitin bestritten und
lediglich dem Propionyl-L-carnitin eine kardioprotektive Wirkung
zugeschrieben. In den meisten F?llen kann jedoch ein Therapieversagen
von L-Carnitin auf eine zu niedrige Dosierung, zu kurze Behandlungszeit
und ?berwiegen der Begleitmedikation zur?ckgef?hrt werden. Der Autor hat
jedoch keine Bewertung der Ergebnisse von Publikationen anderer Wissenschaftler vorgenommen.

Carnitin ist ein wichtiger Cofaktor im Intermedi?rstoffwechsel. Es
bewirkt die Metabolisierung langkettiger Fetts?uren in den Mitochondrien.
Carnitin hat Wirkungen in sehr verschiedenen Organen und diese Wirkungen begr?nden seine klinische Bedeutung in verschiedenen Fachdisziplinen.

Wie erw?hnt, nehmen in der Literatur ?ber Carnitin die Publikationen
zu Herz- und Kreislauferkrankungen den gr??ten Anteil ein,
?ber die in diesem Buch berichtet werden soll.

Viele Autoren konnten bei Patienten mit Isch?mie und stabiler
Angina pectoris nach L-Carnitinapplikation positive Wirkungen
wie z.B. eine Verminderung des Druck-Frequenz-Produktes und der
Herzfrequenz unter Belastung, eine Verminderung der ST-Strecken-
Senkung, eine Reduktion des Verbrauchs von Nitraten und eine Verl?ngerung
der Belastbarkeit bis zum Auftreten von pectangin?sen
Beschwerden nachweisen. Bei akutem Myokardinfarkt reduzierte
die Gabe von L-Carnitin ventrikul?re Extrasystolen, ventrikul?re
Tachykardie und die Gr??e des Nekrosegebietes. Bei Patienten mit
Herzrhythmusst?rungen verminderte L-Carnitin ventrikul?re Extra-XVIII
systolen w?hrend der Belastung und bei Kardiomyopathie wurde
nach L-Carnitinapplikation eine verbesserte Ejektionsfraktion und
klinische Verbesserungen der Herzfunktion gefunden.

Die Applikation von Carnitin an Diphtheriepatienten bewirkte
eine Verminderung von Herzinsuffizienzen, Schrittmacherimplantaten
und letalen Ausg?ngen durch Myokarditis. Bei Patienten unter
chronischer H?modialyse konnten durch L-Carnitin Arrhythmieh?ufigkeit
und pectangin?se Beschwerden vermindert werden. L-Carnitingabe
an Patienten mit Herzinsuffizienz brachte eine klinische
Besserung mit Reduktion von Digitalisdosis, ?demen, Dyspnoe, Anginaepisoden
und Nitratverbrauch sowie eine Steigerung der Diurese.
Bei Patienten mit Vaskulopathien wurde nach Carnitingabe ein
R?ckgang trophischer L?sionen und eine Verl?ngerung der schmerzfreien
als auch der maximalen Gehstrecken registriert.

Aufgrund der positiven Wirkungen von L-Carnitin bei den erw?hnten
Krankheitsbildern ist ?ber eine adjuvante Therapie mit
L- Carnitin nachzudenken.